Zurueck auf den Boden der Tatsachen
Ein Beitrag wie dieser, den ich jetzt vor habe zu schreiben schwirrt schon eine ganze Weile in meinem Kopf herum. Bisher war ich jedoch immer der Meinung, dass ich mich nicht in die Diskussion einmischen sollte. Leider haben mich aktuelle Anlaesse davon ueberzeugt, dass es wahrscheinlich doch notwendig ist.
Einleitung
Der Ausloeser dafuer ist unter anderem ein "Artikel" (es faellt mir schwer ihn aufgrund des darin verwendeten Ausdrucks so zu nennen), der sich darum bemueht Schwachstellen und Fehler innerhalb des Terrorregimes "Apple" darzulegen (Achtung: Sarkasmus). Wer sich die Widerlegung der einzelnen Punkte nicht durchlesen kann weil sein Notebookakku nur 2,5h haelt, der moege gleich zum Fazit springen.
Der erste Absatz
.. kritisiert unter anderem die Tatsache, dass Apple Endgeraete (erwaehnt werden iPod und iPhone) verkauft, die Musik abspielen, welche in "ihrem" iTunes verkauft wird. Die Aussage ist so nicht ganz richtig. Die Geräte sind dazu entwickelt worden, Musikdateien abzuspielen, die via iTunes auf sie uebertragen wurden.
Das ist ein signifikanter Unterschied. Ich selbst kann ohne zu Luegen behaupten, dass ich, obwohl ich seit einigen Jahren einen iPod nutze (80GB), noch niemals (!) auch nur einen einzigen Einkauf im iTunes Store getaetigt habe. Denn: iTunes kann auch beliebige Musikdateien importieren und nimmt dem Benutzer (wenn gewuenscht) sogar deren Sortierung und Verwaltung ab. Das mag man als Hilfe ansehen (so wie z.B. ich) oder eben nicht. Aber es zwingt einen auch niemand, iTunes zu verwenden. Eine simple Google-Suchanfrage deckt auf: Es gibt tatsaechlich Alternativen zu iTunes. Die Beruehmteste davon ist wohl MediaMonkey.
Abgesehen davon ist die vermeintliche Verpflichtung iTunes zu benutzen jedem halbwegs intelligenten potentiellen Kaeufer von vorneherein bewusst. Um die daraus resultierende Konsequenz ein wenig anschaulicher darzustellen werde ich jetzt ein Beispiel einfuehren, auf welches ich in diesem Post noch oefter zurueckkommen werde.
Der Autokauf
Stellen wir uns einen deutschen Durchschnittsbuerger vor: Paul. Paul moechte sich ein Auto kaufen. Seine Anforderungen sind einfach: Es soll ein Diesel sein und es sollen zwei Getraenkekisten in den Kofferaum passen. Zur Auswahl stehen ihm ein Kombi, ein Transporter und ein Sportwagen. Am besten gefaellt ihm der Sportwagen, doch leider ist dieser Benziner und den Kofferaum kann Paul hoechstens benutzen um zwei frische Unterhosen fuer sich und seine Freundin in den Urlaub mitzunehmen. Der Kombi erfuellt beide Anforderungen und der Transporter bietet eigentlich viel zu viel Laderaum und passt außerdem nicht in Pauls Garage. Soweit zu unserem Szenario.
Zurueck zum ersten Absatz
.. in dem es um die Verpflichtung ging, iTunes zum UEbertragen und vor allem Kaufen der auf dem iPod und iPhone abspielbaren Musik zu verwenden. Wenn Paul in unserem einfachen Beispiel den Sportwagen kauft, was wuerde man ihm wohl sagen, wenn er sich im Anschluss beschwert, dass Benzin so teuer ist? Wahrscheinlich wuerde man ihm sagen, dass er sich dessen beim Kauf seines Autos bewusst war.
Dasselbe laesst sich ueber die anderen in diesem Absatz aufgefuehrten Anschuldigungen (vor allem gegenueber dem iPhone) sagen: Der u.U. notwendige Jailbreak und die Knebelvertraege mit festen Providern wie AT&T (USA) oder T-Mobile (Deutschland). Die Tatsache, dass dem so ist wird doch in den Medien nahezu taeglich breit getreten. Trotzdem wurde das iPhone laut iphonemeter.com in Deutschland bisher 844 349 mal verkauft (Stand 19. Maerz 2010 um 19:02h).
Der zweite und dritte Absatz
.. wirft Apple eine unnoetig harte Politik im Umgang mit ihren Firmengeheimnissen vor. Was das angeht kann man tatsaechlich Geteilter Meinung sein. Immerhin ist es wohl fuer jeden halbwegs intelligenten Menschen offensichtlich, dass Apples Marketingstrategie nicht nur von der Veroeffentlichung neuer Produkte lebt, sondern vor allem von der Geheimniskraemerei der Apple Fangemeinde. Auch wenn die harte Sicherheitspolitik in einem der vorgestellten Faelle zu einem tragischen und unnoetigen Ende fuehrten so ist es doch nicht die Schuld der Firma selbst, dass es in diesem Fall zu einem Unglueck kam.
Ich kenne mehrere Faelle in denen Menschen, in deren Zustaendigkeitsbereich Fehler geschehen sind, mit den Konsequenzen nicht klar gekommen sind. Und ja: einige davon sind nicht mehr bei uns. Solche Dinge passieren. UEberall.
Unnoetige Haerte: Vielleicht. Unverstaendlich: Ich denke nicht.
Der vierte Absatz
.. ist besonders interessant. Darin wird Beschwerde gegen den Umstand gefuehrt, dass Apple sich vorbehaelt die fuer das iPhone verfuegbaren Anwendungen (Apps) von Drittparteien (Third-Party-Apps) zu pruefen und ggf. nicht freizugeben. Das mag auf den ersten Blick gemein erscheinen, da nicht alle Kinder in den Sandkasten duerfen. Normalerweise wuerde man wahrscheinlich davon ausgehen, dass Hersteller von solchen Politiken aus Angst vor Boykott der potentiellen Kunden Abstand nehmen. Apple hat es trotzdem versucht. Außerdem hat dieses Vorgehen viele Vorteile, denn Apple behaelt die volle Kontrolle ueber die veroeffentlichten Apps und kann Anwendungen, die ihnen nicht in den Kram passen, zurueckweisen. Und selbst wenn dieses Vorgehen in einigen Faellen offensichtlich nur dazu diente ein bestimmtes Monopol von Apple selbst zu sichern. Apple tut es, denn nirgendwo steht geschrieben, dass Apple sich verpflichtet irgendwelche Apps zuzulassen. Dessen ist sich (mal wieder) jeder von vorneherein bewusst. Wer trotzdem in den Sandkasten will, muss sich an die Spielregeln halten. Schreckt ab? Offensichtlich nicht, denn das Konzept geht auf: Zum Zeitpunkt der Veroeffentlichung des Artikels erwaehnt der Autor 3 Milliarden heruntergeladene und 150 000 im Store verfuegbare Apps.
Apple hat hoch gepokert und gewonnen. Sie dafuer zu kritisieren laesst ein gewisses Maß an Neid durchscheinen. Denn wer damit nicht zufrieden ist, kann die Plattform wechseln oder selbst eine erfinden. Als Beispiel erwaehne ich nur Android, eine sehr erfolgreiche Plattform die sich staendig großen Zuwachses erfreut. Gibts auf vielen Endgeraeten und das Betriebssystem selbst ist Open Source: feel free to change.
Der letzte Absatz
.. bringt einen vermeintlichen "Masterplan" seitens Apple ans Licht, der sich laut Artikel gegen "jeden" richtet. Darin wird die Safari-Affaere erwaehnt, bei der es darum ging, dass Apple in ein Software Update von iTunes den Apple Browser Safari mit einschloss, was dazu fuehrte, dass jeder, der iTunes auf den aktuellsten Stand brachte, unbeabsichtigt den Browser zusaetzlich erhielt. Das ist ganz offensichtlich nicht in Ordnung und nach einiger negativer Kritik wurde der Fehler korrigiert und Safari ist separat erhaeltlich. Wer sich in Zukunft vor solchen Angriffen auf seine saubere Softwarepalette schuetzen will, der darf iTunes deinstallieren und in Zukunft alternative Software nutzen.
Zusaetzlich wird auf ein Patent hingewiesen, welches von Apple vorgestellt wurde, bei dem es um die Einbindung von Werbung in bestehende Plattformen bei vollstaendiger Unterbrechung der uebrigen Arbeiten geht, die vollstaendige Aufmerksamkeit des Benutzers garantiert. Solche Konzepte werden auf vielen Plattformen eingesetzt, z.B. auf Videoportalen, die vor dem Abspielen der Videos nicht unterbrechbare bzw. ueberspringbare Werbefilme einbauen. Ich habe noch nie jemanden gehoert, der sich darueber ernsthaft beschwert haette. Schließlich nimmt man an dieser Stelle einen kostenlosen Dienst in Anspruch, der sich irgendwie finanzieren muss. Bei dem von Apple entwickelten Konzept geht es nicht darum, den Benutzer bei seiner taeglichen Arbeit zu stoeren. Vielmehr soll Werbetraegern die Moeglichkeit gegeben werden sicherzugehen, dass ihre Werbung auch tatsaechlich angesehen wird, was dank Ad-Blockern usw. heutzutage schon lange nicht mehr sicher ist. Durch die Unterbrechung aller uebrigen Prozesse jedoch wird dieses gewaehrleistet. Sollte diese Technik tatsaechlich irgendwann Anwendung finden so steht es widerum jedem frei Inhalte, die auf diese Weise mit Werbung finanziert sind, nicht zu konsumieren.
Im Allgemeinen
.. laesst sich der Kernpunkt meiner Ausfuehrungen mit dem oben vorgestellten Szenario zusammenfassen: Wer einen Kombi will, soll sich keinen Sportwagen kaufen und vor allem nicht darueber meckern, dass der Sportwagen die Anforderungen nicht erfuellt, die man sich gesteckt hat. Wer lieber Sportwagen faehrt, der soll es halt tun. Ob Benzin nun teurer als Diesel ist oder nicht. Ist ja Pauls Problem, wenn er sich so entscheidet. Wenn Pauls Kumpel Felix allerdings Sportwagen faehrt, weil seine Anforderungen andere als Pauls sind und Paul die Nachteile, die Felix Sportwagen hat staendig aufzaehlt obwohl Felix diese vielleicht gar nicht als Nachteil ansieht, weil der Sportwagen nunmal genau seinen Anforderungen entspricht, dann hat das den bitteren Beigeschmack von tiefsitzendem Neid.
Um den Bogen zurueck zum eigentlichen Thema zu schlagen uebertrage ich das Beispiel noch einmal auf das echte Problem:
Alle Fakten zu allen Plattformen liegen vor. Wer genau weiß, dass Produkte der Firma Apple nichts fuer ihn sind, der braucht sie sich nicht zu kaufen. Wer es dennoch tut, braucht sich im Anschluss nicht beschweren. Wer sich dagegen entscheidet, der braucht sich aber auch nicht darueber beschweren, dass dieses oder jenes Produkt das Feature X oder Y nicht hat. Apple geht es zur Zeit richtig gut. Die Firmenpolitik geht oft mit Innovationen Risiken ein wenn sie bewusste Design-Entscheidungen trifft, die auf den ersten Blick kontraproduktiv wirken. Bisher ist (fast) jeder ihrer Plaene aufgegangen. Wem das gegen den Strich geht, der hat eigentlich nur ein Problem: Neid.
Der beruehmte Neid der Besitzlosen. Eine andere Erklaerung finde ich leider nicht. Wenn ich etwas nicht haben kann, dann mach ich es halt schlecht. Wenn es trotzdem Erfolg hat, mach ich es noch schlechter. Die Alternative? Leben und leben lassen. Apple Fans haben vielleicht den Hang dazu, die Vorzuege Ihrer Produkte zur Schau zu stellen. Wem das zu kindisch ist, der kann sie ja ignorieren.
Eine Sache daran verstehe ich allerdings ganz und gar nicht, doch das bringt der Apple-Mythos halt mit sich. Einige Leute scheinen bei mehreren Kaeufen von Apple Produkten massive negative Erfahrungen gemacht zu haben. Warum kaufen diese Leute immer noch Apple Produkte, wenn sie doch so schlecht sind?
Und ganz zum Schluss noch einige Worte ueber die Zukunft an denen ihr Apple-Gegner euch die naechsten Wochen die Zaehne ausbeissen koennt: Das Apple iPad hat vielleicht kein Multitasking aber wie es den Anschein macht ist es wieder einmal konsequent durchdacht. Der HP Slate hat Multitasking, Flash, AIR und ein "richtiges" Windows-Betriebssystem? Na dann wuensche ich viel Erfolg. Das Produkt wird sicher genauso im Markt einschlagen wie der HP Touchsmart. Ich wuensche beiden Produkten, dass sich das bessere auf dem Markt durchsetzen moege.
So, jetzt hat mein Akku immer noch 5,5h Stunden Laufzeit. Egal, ich mach jetzt aus. Gute Nacht :D




