Der böse Fussmattenumdrehmann
Es passieren unglaubliche Dinge da draußen! Doch zuerst ein wenig Vorgeschichte damit ihr überhaupt versteht was es damit auf sich hat:
Als wir im September hier in Stuttgart eingezogen sind, haben wir uns selbstverständlich auch eine Fussmatte gekauft um den Dreck der Straße von unserer schönen Wohnung fern zu halten. Nachdem wir einmal beim Einkaufen waren, lag die neue Fussmatte zusammengeklappt und falsch herum vor unserer Wohnungstür.
Meine Begründung war männlich (*harrr*) schlicht: "Der Hausmeister hat den Flur gewischt und beim Wischen die Fussmatte zusammengeklappt. Damit der Boden trocknen kann, hat er die Fussmatte nicht sofort wieder ausgebreitet."
Ulli meinte dazu, das könnte nicht sein und mit einem bezaubernden Lächeln überzeugte sie mich ebenfalls davon, dass diese Erklärung viel zu weit hergeholt sei. Wir überlegten also nach einer einfacheren, selbsterklärenderen und logischeren Lösung unseres Rätsels. Nach ein paar Stunden (Minuten? Sekunden?) intensiver Überlegung und Abwägung aller Pro und Kontra Argumente kamen wir zu einem so logischen Ergebnis, dass zu einfach gewesen war um es auf Anhieb zu erkennen:
Der böse Fussmattenumdrehmann trieb sein Unwesen in unserem Haus!
Doch wer ist der böse Fussmattenumdrehmann? Keiner wusste es so genau, niemand hatte ihn je gesehen oder zumindest gab es keine Überlebenden, die davon bis jetzt hätten berichten können. Alles was man wusste, waren die schrecklichen Taten, die er bis zum heutigen Tage vollbracht hatte und die Spur seiner Zerstörungswut zieht sich durch unser ganzes Treppenhaus, die ganzen Aufgänge vom Keller bis zum Penthouse, durch die ganze Wohnanlage, ja wahrscheinlich durch die ganze Stadt.
Doch heute sind unglaubliche Dinge geschehen. Während ich heute Morgen hier so saß und während des Lernens überlegte, ob ich wohl mit einer Kontraposition zu den De Morgan's laws in Bezug auf die Dualität der Existenz einer if-then Relation unter geschickter Anwendung eines Index-Shifts die Unmöglichkeit des Seins beweisen könnte, als plötzlich Geräusche auf dem Hausflur zu hören waren.
Sofort wurde mir klar, dass da draußen etwas nicht stimmen konnte und da ich eh noch zwei Päckchen (bis 2kg) zur Packstation bringen musste, entschied ich mich, der Sache sofort auf den Grund zu gehen.
Ich packte meine Päckchen (nicht mal zusammen mehr als 2kg) in eine Galeria-Kaufhof Tüte um sie vor dem Regen zu schützen und betrat mit Todesmut den Hausflur immer in der Erwartung, dem leibhaftigen Tot zu begegnen. Langsam schlich ich die 1,5 Meter von unserer Haustür bis zum Aufzug und betätigte den Schalter mit dem Pfeil nach unten. Dabei verwendete ich nur meinen Fingernagel um nicht etwa Spuren zu hinterlassen.
Tief unter mir hörte ich ein metallisches Geräusch. Die Aufzugtüren mussten sich bewegt haben. Eine Sekunde lang geschah nichts, dann wiederholte sich das Geräusch. Und wieder geschah eine Sekunde lang nichts. Mein Verdacht wurde bestätigt. Hier stimmte etwas nicht! Doch der Anfängliche Mut begann angesichts der bestätigten Bedrohung langsam zu schwinden. Ich griff meine Galeria-Kaufhof Tüte ein wenig fester und schaute auf den Fahrstuhlknopf. Orange und schmal schaute mich das Licht des Fahrstuhles an und kam mir plötzlich wie ein böses, zusammengekniffenes Auge vor, das mich beobachtete.
Wieder ertönte das Geräusch aus der Tiefe. Doch dieses Mal wurde es von einem anderen Geräusch begleitet. Es klang wie ein Schaben von unheimlich großen, viereckigen Pranken auf feuchtem Boden, irgendetwas schien an die Wände und Fussleisten der Fahrstuhlkabine zu stoßen. Dort unten tobte ein Kampf!
Ich traf eine tragische Entscheidung und drehte mich herum, um die Treppe zu benutzen. Angesichts der Gefahren, die in der Fahrstuhlkabine wüteten erschien es mir der Aufklärungsmission zuträglicher, wenn ich dem Feind nicht direkt in die Arme laufen würde.
Kaum hatte ich meinen linken Fuss auf die erste Stufe gesetzt, schon teilte mir ein metallisches Klacken und Surren, dass sich die Aufzugskabine in Bewegung gesetzt hatte. Sie waren mir auf den Fersen! So schnell wie möglich aber auch ebenso leise schlich ich die Treppen herunter, Stufe um Stufe.
Als ich das nächste Stockwerk erreichte, wurden meine schlimmsten Befürchtungen abermals bestätigt: Sämtliche Fussmatten der beiden gegenüberliegenden Wohnungen waren zusammengeklappt oder gerollt und lagen verkehrtherum vor den Türen. Nun wusste ich wenigstens, mit wem ich es zu tun hatte. Meine Tüte und ich setzten unseren Weg durch das vollständig verwüstete Treppenhaus fort. Der ganze Fussboden war nass und glänzte, wir mussten aufpassen, dass wir nicht stürzten.
Bei der letzten Abbiegung, ich hatte mittlerweile aufgehört die Sekunden zu zählen, die seit dem Verlassen unserer Wohnung verstrichen waren, sah ich, dass auch die große Fussmatte im Erdgeschoss zusammengerollt und an die Wand gelehnt war. Nackt, nass und wehrlos lag der Fussboden vor mir.
Plötzlich sah ich, wie sich langsam und mit tödlicher Präzision eine lange Stange mit einem viereckigen, flachen Ende, dass mit einem hässlichen grün-weissen Fell bedeckt war um die Ecke schob. Ich konnte den Bereich hinter der Ecke zwar nicht einsehen, doch in der großen Glasscheibe der Eingangstür spiegelte sich etwas schmales, schwarzes, das ungefähr so groß war wie ich selbst, Haargel und Galeria-Kaufhof Tüte abgezogen.
Nun war es soweit. Ich stand ihm gegenüber: Dem bösen Fussmattenumdrehmann! Mit zitternden Knien, rasendem Herzen und unruhigen Atem ging ich auf die Ecke zu. Die Stange mit dem Fellbezogenen Ende fuhr langsam zurück um sofort wieder hinter der Ecke aufzutauchen. Dabei beschrieb sie eine kreisförmige Bewegung und hinterlies die Feuchtigkeit, die ich schon überall im Hausflur sehen konnte.
Ich musste es tun. Ich musste dem bösen Fussmattenumdrehmann in die Augen blicken und mit ein, zwei gekonnten Schritten vorwärts ging ich an der Ecke vorbei und während ich mich langsam in Richtung der Stange drehte, schloss ich insgeheim mit meinem Leben ab. Ich bedankte mich im Geiste für die Erfindung von Tiefkühlgemüse und schnurloser Breitbandinternetverbindung und bedauerte ein wenig, dass ich meine tolle Theorie betreffend die Kontraposition zu den De Morganschen Regeln nicht mehr beweisen könnte, dann öffnete ich die Augen und sah dem bösen Fussmattenumdrehmann mitten in ihr Gesicht.
Er war eine Frau! Sie lächelte mich an, doch das war nur Tarnung, sie wollte mich verwirren, das erkannte ich sofort. Um nicht zu verraten, dass ich ihre Ablenkungsstrategie durchschaut hatte, lächelte ich zurück und machte erneut zwei gekonnte Schritte in Richtung Tür. Mir war klar, dass ich es in diesem Moment ein für alle Mal hätte beenden können doch die Informationen, die ich jetzt besaß waren einfach zu wichtig um zu riskieren, sie mit ins Grab zu nehmen.
Ich entschloss mich zur Flucht. Blitzschnell griff ich mit der Hand, in der nicht die Tüte war, die Klinke der Haustür und öffnete sie. Aus dem Augenwinkel nahm ich ein weiteres Lächeln der Frau wahr, als die sich mir der böse Fussmattenumdrehmann zeigte.
Nur Millisekunden später schloss sich die Tür hinter mir und ich war in Sicherheit.
Labels: Fussmatte, Leben, Stuttgart Umzug





1 Comments:
Ich war noch NIE so froh, nicht in euer Haus gezogen zu sein :D
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Unknown, at 7:28 PM
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